Der Verein engagiert sich seit 14 Jahren dafür, dass Menschen, die sich dieses nicht leisten können, der Besuch von kulturellen Veranstaltungen ermöglicht wird. Zahlreiche kulturelle Institutionen kooperieren mit dem Verein, indem sie diesem nicht veräußerte Eintrittskarten kostenfrei zur Verfügung stellen, sodass der Verein sie an seine sogenannten KulturGäste weitergeben kann. Dieses erfolgt einerseits durch eine Eins-zu-eins-Vermittlung von Eintrittskarten, indem ein KulturGast zwei Tickets für eine Veranstaltung erhält. Daneben erhalten seit wenigen Jahren auch soziale Einrichtungen, mit denen der Träger kooperiert, Gruppen¬kontingente für den Besuch von Veranstaltungen. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um Wohngruppen, Beratungsstellen oder Betreuungsangebote für Kinder aus einkommens¬armen Familien.
Der Verein finanziert sich im Wesentlichen durch Spenden, daneben in geringem Maße über Projekt-förderungen und Mitgliedsbeiträge.
Die Zahl der an soziale Institutionen abgegebenen Karten hat sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt, liegt inzwischen bei deutlich mehr als 12.000 pro Jahr. Die Organisation dieser Ticket-Vergabe war bisher recht „handgestrickt“ und deutlich Personen-basiert, lässt sich aber bei dem inzwischen erreichten Ticket-Volumen in dieser Form nicht fortführen. Es bedarf vielmehr einer grundsätzlichen Neu-Strukturierung mit systematisierter Speicherung der Kooperationspartner und einer dokumentierten Vergabe der Tickets. Dieses soll während der folgenden 15 Monate durch zwei Mitarbeiter mit Minijob (jeweils 9 Wochenstunden), einen Bufdi und eine befristete Erhöhung der Stundenzahl einer Hauptamtlichen als Projektleitung in Angriff genommen werden.
Die Personalkosten der genannten Personen für die genannten Zeiträume betragen 38.945 Euro, daneben werden Bürokosten in Höhe von 1.818 Euro entstehen. Von den Gesamtkosten in Höhe von 40.763 Euro will der Träger 5.000 Euro durch Spenden finanzieren und beantragt 35.763 Euro beim HSP.
Ausgangslage
Die Pandemie-Jahre haben für den Kulturbetrieb, aber auch für die Arbeit sozialer Einrichtungen v.a. mit betreuten Gruppenangeboten eine einschneidende Zäsur dargestellt. Zusammen mit den zahlreichen krisenhaften Entwicklungen, die dieser Phase gefolgt sind, dem Kriegsausbruch in Europa und der allgemeinen Inflation und Teuerungsrate bekommen auch wir die Auswirkungen besonders in Form von enorm steigenden Anmeldezahlen zu spüren.
Unser Team hat auf diesen anhaltenden Ausnahmezustand mit großem und empathischem Engagement reagiert und ist letztlich seit nun schon fast fünf Jahren mit ‚150 Prozent‘ im Einsatz für unsere KulturGäste.
Spätestens in diesem Jahr ist uns klar geworden: Was wir anfänglich noch für eine Ausnahmesituation hielten, die man einfach durchstehen muss, hat sich leider zu einem problematischen Dauerzustand entwickelt. Immer mehr Menschen geraten in Not und sind auf ökonomische, psychologische und soziale Unterstützung angewiesen. Wir verzeichnen allein für die zurück-liegenden Jahre 2023 und 2024 eine Zuwachsrate von über 50 Prozent bei den Neuanmeldungen armutsbetroffener KulturGäste – der mit Abstand größte Wachstumssprung seit Gründung unseres Vereins im Jahr 2011. Ganz besonders stark zeigt sich dieser Anstieg in unserem Bereich ‚Soziale Kooperationen‘. Wir geben unsere Teilhabeangebote neben der Ein-zu-eins-Vermittlung an unsere KulturGäste am Telefon kostenfrei auch an soziale Einrichtungen mit betreuten Gruppenangeboten weiter, damit diese mit ihren Klient:innen im geschützten und betreuten Rahmen Angebote des sozialen und kulturellen Lebens unserer Stadt wahrnehmen können. Hierzu gehören bspw. Beratungsstellen, Wohngruppen, Angebote für wohnungslose Menschen, Betreuungsangebote für Kinder aus einkommensarmen Familien und viele mehr. Mit diesem Angebot wollen wir die sozialen Einrichtungen unterstützen, indem wir ihnen Formate ermöglichen, die die Bindung zu ihren Klient:innen stärken und positive gemeinsame Erlebnisse ermöglichen. Darüber hinaus geht es uns natürlich auch um die Klient:innen dieser Kooperationspartner, die im Rahmen ihrer bekannten Gruppen erste Erprobungen auf ihrem Weg (zurück) ins soziale Leben machen können. Nicht selten finden die Menschen auf diesem Wege zu uns, melden sich dann nach ersten positiven Erfahrungen als EinzelGast bei uns an und trauen sich Schritt für Schritt mehr Selbstständigkeit zu. Im Sinne unseres Einsatzes für Teilhabe armutsbetroffener Menschen und gegen soziale Isolation erreichen wir über diesen Vermittlungsweg Menschen, die (noch) nicht allein in der Lage wären, unser Angebot wahrzunehmen, für die unsere Unterstützung aber ei¬nen wichtigen ersten Schritt ermöglichen kann.
Lag unsere KulturGäste-Reichweite über unsere sozialen Kooperationen zu Beginn der Pandemie noch bei knapp 6.000 Personen, hat sich dieser Wert mittlerweile mehr als verdoppelt; der Großteil dieses Zuwachses ist in den zurückliegenden zweieinhalb Post-Pandemie-Jahren hin-zugekommen.
Mitten in dieser für uns sehr herausfordernden Phase – zu Beginn 2024 – musste die Vereinsvorständin, die diesen Arbeitsbereich bis dahin mit großem Engagement verantwortet und auch operativ geleitet und maßgeblich betreut hat, ihre Mitarbeit wegen einer akuten schweren Erkrankung plötzlich beenden. Dank unglaublich engagierter ehrenamtlicher Mitarbeiter:innen und der kommissarischen Leitungsübernahme des Arbeitsbereichs durch unsere Geschäftsführerin konnten wir die Situation nach wenigen Wochen so weit auffangen, dass wir unseren Gruppenpartnern zum Sommer 2024 wieder erste Teilhabeangebote machen konnten. Das Frühjahr davor haben wir – parallel zu einer großen und schon länger geplanten Softwareumstellung unserer Kartenvermittlung – dafür genutzt, die Datenbestände zu sichten und eine neue, der immens gewachsenen Nach¬frage angepasste Vergabesystematik zu entwickeln, die mehr Einheitlichkeit und damit auch mehr Gerechtigkeit bei der Vergabe unserer heiß begehrten Gruppen-Teilhabeangebote ermöglicht.
Vorhaben
Der anhaltend große Andrang auf unsere kostenfreie Teilhabevermittlung für soziale Einrichtungen und Initiativen stellt uns zunehmend vor große Probleme. Denn so sehr wir uns auch bemühen: Wir kommen nicht so recht hinterher und unsere zum Teil eher provisorischen ‚Work-Arounds‘, die wir uns nach Ende der Pandemie ausgedacht hatten, um den – so unsere damalige, von heute aus leider irrige Annahme – kurzfristigen Ansturm mit möglichst wenig Bürokratie zu bewerkstelligen, sind schon vor einigen Monaten an ihre Grenzen gekommen.
Hinzu kommen Probleme, die aus dem Nebeneinander zweier Systematiken (allen Kooperationsunterlagen und Daten aus der Zeit vor und während Corona und den neueren Daten-sätzen seit 2023) hervorgehen. Das betrifft u.a. die Form und Aktualität der Kooperationsvereinbarungen samt dazugehörigen Gruppenformularen, das betrifft aber auch die Informationen über die jeweils erreichten Klient:innen (quantitative Reichweite, besondere Ansprüche im Hinblick auf verschiedene Aspekte der Barrierefreiheit, Altersangaben für die jeweiligen Gruppen, besondere Interessen oder Einschränkungen etc.). Als dritte Herausforderung für unsere praktische Arbeit ist zudem die große Personal-Fluktuation in der Sozialen Arbeit zu nennen. Das bedeutet für uns: Bei fast allen unseren sozialen Partnern gab es in den zurückliegenden Jahren personelle Wechsel, sowohl in der Leitung als auch bei unseren operativen Ansprechpersonen. Nicht selten werden bei einem Personalwechsel die Informationen zu unserer Kooperation nur sehr lückenhaft weitergegeben. Dies führt für uns zu teils sehr unangenehmen und potenziell auch wirklich problematischen Effekten, wenn sich die Gruppen beispielsweise beim Entgegennehmen der reservierten Tickets an der Abendkasse unseres KulturPartners nicht an die Vereinbarungen halten. Zwei kurze Beispiele aus der Praxis zur Illustration:
1. Gruppen sind angehalten, immer eine Person zu bestimmen, die ihr gesamtes Ticketkontingent an der Abendkasse abholt und dann an die Einzelnen verteilt. So steht es dann auch auf der KulturLeben-Gästeliste, die der Veranstalter an der Abendkasse liegen hat (bspw. „Gruppe: Sozialkontor Wilhelmsburg, Abholer:in: Frau Mahed, 7 Karten). In der Praxis kommt es abweichend leider immer wieder vor, dass alle Gruppenmitglieder einzeln an die Kasse gehen und ihre Tickets als Teil des Gesamtkontingents ausgehändigt bekommen möchten. Das führt an den Kassen zu teils zu erheblichem Mehraufwand und erhöht zudem die Fehleranfälligkeit.
2. Unsere Regelung lautet: Gruppen holen nach dem o.g. Verfahren nur so viele Tickets von Ihrem Kontingent ab, wie sie für den Besuch real benötigen. Sind bspw. 2 der 7 Gruppenmitglieder aus dem o.g. Beispiel kurzfristig verhindert, dann werden nur 5 Karten abgeholt – die restlichen 2 nimmt der Kulturveranstalter wieder zurück in den Verkauf. Immer wieder kommt es dagegen vor, dass Gruppen das gesamte Kontingent abholen und die nicht benötigten Tickets dann spontan an potenziell zahlende Gäste vor der Veranstaltungskasse verschenken.
Beide Beispielfälle sind für sich auf den ersten Blick keine große Sache – in der Praxis können sie jedoch zu Irritationen und Verärgerung unserer KulturPartner führen. Und das ist für uns dann schnell ein richtig großes Problem. Denn ein einmal ‚verlorener‘ Kooperationspartner aus dem Kulturbereich ist in der Regel nicht mehr zurückzugewinnen und wir erhalten keine Ticketspenden mehr. Seine Angebote bleiben damit dann für alle unsere KulturGäste dauerhaft unerreichbar.
Um die beschriebenen Probleme zu beheben, einen einheitlichen und verbindlichen Informationsstand wiederherzustellen und unsere in den letzten zweieinhalb Jahren mengenmäßig ‚explodierten‘ Datenbestände aus dem Bereich ‚Soziale Kooperationen‘ wieder reorganisieren zu können möchten wir gern für die Dauer von einem Jahr das Projekt ‚Kultur Sozial‘ umsetzen und bitten Sie hiermit um die Unterstützung durch das Hamburger Spendenparlament.