
Seit 2003 setzt sich die Kulturbrücke Hamburg e.V. dafür ein, Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenzubringen und gegenseitiges Verständnis zu fördern. Gegründet wurde der Verein von Hourvash Pourkian, die selbst als Jugendliche aus dem Iran nach Hamburg kam und aus eigener Erfahrung weiß, wie wichtig Bildung, Begegnung und gegenseitiges Verständnis für gelingende Integration sind. Seit seiner Gründung hat der Verein rund 3.000 Familien aus 75 Nationen begleitet und unterstützt.
Aus den langjährigen Erfahrungen des Vereins entstand 2019 das Projekt „Switch Tutor“. Seitdem erhalten geflüchtete Kinder genau dort Unterstützung, wo sie sie am dringendsten brauchen: direkt in ihren Unterkünften.
Zweimal pro Woche begleiten qualifizierte Studierende die Kinder beim Lernen, fördern ihre Sprachentwicklung und geben ihnen Halt in einem oft herausfordernden Alltag.
2023 geriet das erfolgreiche Projekt plötzlich in Gefahr. Ein wichtiger Firmenspender fiel weg, die Finanzierung war nicht mehr gesichert. Mit einer Überbrückungsförderung schloss das Hamburger Spendenparlament die Finanzierungslücke und ermöglichte, dass die Kinder weiterhin auf ihre Tutorinnen und Tutoren zählen konnten.
Insbesondere seit der Eskalation des Nahostkonflikts im Jahr 2023 wurde im Projektalltag deutlich, dass viele Kinder mit neuen Herausforderungen konfrontiert waren. Sie erleben die Auswirkungen des Konflikts nicht nur in den Nachrichten, sondern häufig auch in ihren Familien oder durch Angehörige in den Herkunftsländern. Diese Erfahrungen führten auch im Miteinander zu mehr Vorurteilen und Spannungen.
„Switch Tutor“ setzte von Anfang an nicht nur auf Lernförderung, sondern auch auf Begegnung und gegenseitiges Verständnis. Die Entwicklungen machten jedoch deutlich, dass Themen wie Toleranz, Respekt und das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen künftig noch stärker in den Mittelpunkt rücken mussten. Deshalb unterstützte das Hamburger Spendenparlament das Projekt 2024 ein zweites Mal. Mit einer Anschubfinanzierung von 15.000 Euro wurden im Rahmen von „Switch Tutor – Toleranz und Respekt“ zusätzliche Workshops in zwölf Hamburger Flüchtlingsunterkünften ermöglicht.
Im Anschluss an die Hausaufgabenhilfe sprechen die Kinder über Religionen, kulturelle Unterschiede und Geschlechterrollen, lernen die Feiertage verschiedener Kulturen kennen, kochen gemeinsam oder erleben bei Ausflügen und sportlichen Aktivitäten, wie Respekt, Fairness und gegenseitiges Verständnis wachsen.
Die Wirkung zeigt sich jeden Tag. Die Kinder freuen sich auf die gemeinsamen Lernzeiten, erleben ihre Tutorinnen und Tutoren als verlässliche Bezugspersonen, verbessern ihre Sprachkenntnisse und gewinnen Selbstvertrauen. Die Workshops schaffen einen geschützten Raum, in dem Ängste und Vorurteile offen angesprochen, Konflikte reflektiert und neue Perspektiven entwickelt werden können.
„Switch Tutor“ zeigt eindrucksvoll: Bildung bedeutet mehr als Wissensvermittlung. Wo Begegnung gelingt und gegenseitiges Verständnis wächst, wird der gesellschaftliche Zusammenhalt in Hamburg nachhaltig gestärkt.
Mit den beiden Förderungen konnte das Hamburger Spendenparlament nicht nur den Fortbestand von „Switch Tutor“ sichern, sondern auch dessen Weiterentwicklung ermöglichen.
Seit 2007 hat das Hamburger Spendenparlament die Kulturbrücke Hamburg e. V. im Rahmen von sechs projektbezogenen Förderungen mit insgesamt rund 65.000 Euro unterstützt. Die Erfolge vieler ehemaliger Teilnehmender – vom Schulabschluss über das Abitur bis hin zu Studium und Beruf – zeigen, welche nachhaltige Wirkung die Arbeit des Vereins entfalten kann.