Hanse Sozialwerk gGmbH wurde vor vier Jahren gegründet und erbringt mit 8 Mitarbeitenden Leistungen im Rahmen der Assistenz in der Sozialpsychiatrie (ASP). Daneben betreibt der Träger das Projekt „Praktische Hilfen“, das belasteten Personen eine Beschäftigung anbietet. Die Praktischen Hilfen unterstützen hilfsbedürftige Personen durch Möbelspenden oder kleinere Reparaturen im Haushalt sowie Hilfe beim Entsorgen von Sperrmüll.
Das Projekt „Freiraumtrupp“ arbeitet mit dem Unterstützungsangebot Dele (Desorgansiert leben) des Vereins Ambulante Hilfe Hamburg e.V. zusammen, An einem bis zwei Tagen in der Woche hilft das dreiköpfige Handwerker-Team Menschen mit „Messie-Syndrom“ bei Entsorgungs- und Renovierungsarbeiten in den desorgansierten Wohnungen. Die Sozialarbeiter*innen von Dele koordinieren die Terminabsprache und die notwendigen Arbeiten mit dem Freiraumtrupp und begleiten die Termine vor Ort. Der Freiraumtrupp schließt unbürokratisch und schnell die bestehende Versorgungslücke. Das Ziel des Projektes ist der Wohnraumerhalt durch Unterstützung bei der Abfallentsorgung und die Beseitigung von in der Wohnung bestehenden Mängeln.
Das bislang genutzt Transportfahrzeug weist zunehmend Mängel auf und kann in absehbarer Zeit nicht mehr für Entsorgungs- und Handwerkereinsätze genutzt werden. Beantragt werden die Kosten für den Kauf eines Ersatzfahrzeugs (lt. Angebot eines Autohändlers 36.490 Euro) und die anteiligen Arbeitskosten sowie Fahrt- und Entsorgungskosten für ein Jahr in Höhe von 8.950 Euro.
Der Träger ist über die Reduzierung des Betrages informiert, die sich aus dem maximalen Zuschuss für die Anschaffung eines Fahrzeugs ohne Spezialaufbauten von derzeit 18.000 Euro ergibt. Er wird sich um Angebote für ein günstigeres Fahrzeug bemühen.
Im Rahmen einer Trägerkooperation zwischen dem Hanse Sozialwerk gGmbH für psychisch erkrankte Menschen und Ambulante Hilfe Hamburg e.V. für von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen, werden zudem insbesondere desorgansiert lebende Menschen durch das Projekt Freiraumtrupp praktisch unterstützt.
Medial bekannt ist das Phänomen Desorganisation auch als „Messie-Syndrom“. Gesellschaftliche Stigmata und Ausgrenzung desorganisiert lebender Menschen sind die Folge eines bislang kaum in den sozialarbeiterischen und sozialpolitischen Fokus genommenen Problems. Dabei leben allein in Hamburg nach Schätzungen des grundlagenorientierten Forschungsprojekts Adele (HAW Hamburg) ca. 40.000 Menschen desorganisiert. Betroffene sammeln und/oder horten aktiv Gegenstände im Übermaß. Auch Demenz- und Suchterkrankungen und andere schwere körperliche oder psychische Leiden können das Ansammeln von Gegenständen sowie die Verwahrlosung der Wohnung begünstigen. Die Grundlagenforschung zeigt, dass Wohnungsdesorganisation ein Ausdruck komplexer sozialer Problemlagen ist. Soziale Isolation, finanzielle Schwierigkeiten, Identitätsprobleme, drohender Wohnungsverlust und Obdachlosigkeit, gesundheitliche Beeinträchtigungen und der oft fehlende Zugang zum Hilfesystem sind nur einige Probleme dieser exkludierten Zielgruppe. Unterstützungsprozesse für desorganisiert lebende Menschen stellen für alle Beteiligten eine große Herausforderung dar. Aufgrund sozialer Isolation haben viele Betroffene nicht die Möglichkeit, Unterstützung von Freunden und Familie zu bekommen, um Entsorgungs- und Renovierungsunterstützung zu bekommen.